Arznei-Fenchel (Foeniculum vulgare var. vulgare)
Geschrieben am 22. Jan, 2010 von admin in Allgemein
Doldengewächse (Apiaceae)
Fencheltee ist uns aus eigener Kindheit oder als Mutter und Vater mit Kleinkindern wohlbekannt und wurde/wird eingesetzt, wenn den Kleinen das Mägelchen und uns selbst der Magen Beschwerden machte. Der Fenchel ist eine Mittlmeerpflanze, die mit den Mönchen als frühe Entwicklungshelfer und Klostermediziner über die Alpen zu uns als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze in die Gärten kam. Darauf deuten schon wie bei Salbei (Salvia), Thymian (Thymus) u.a. die Eindeutschung der lateinischen Namen hin: Aus Foeniculum wurde Fenchel. Wie die Lippenblütler sind auch die Doldengewächse ein Pflanzenfamilie, die aufgrund ihres hohen Wirkstoffgehaltes viele Gewürz- und Heilpflanzen aufweisen. So wird speziell dem Fenchel neben seiner Wirkung als Stomachium (Magenmittel) auch Wirkungen als Spasmolytikum (krampflösendes Mittel), Carminativum (blähungsabtreibendes Mittel), Expectorans (hustenlösendes Mittel), Diureticum (harntreibendes Mittel), und bei Frauen als Emmenagogum (monatsregelförderndes Mittel) und Galactogogum (milchsekretionsförderndes Mittel) zugeschrieben. Für Leute, die auf Heilkräutertees schwören, ein sehr breites Wirkungsspektrum.
Botanische Beschreibung
Der Fenchel kommt zwar in 3 verschiedenen Varietäten vor – als Gemüsepflanze, Gewürzpflanze und Heilpflanze – , morphologisch unterscheiden sie sich aber nicht allzu sehr. Der Fenchel ist eine 1-2jährige, sehr hoch werdende Staude, deren aufrechter, unten fleischiger, oben verästelter, außen gerillter, innen hohler Stängel aus einer fleischigen Pfahlwurzel hervorgeht. Die hocharomatischen, wechselständigen, mehrfach haarförmig gefiederten Blätter umfassen mit der Basis ihres Blattstiels scheidenförmig den Stängel. Die unscheinbar kleinen, gelben Blüten sind 5-zählig, stehen zu mehreren in Döldchen und diese sind wieder zu mehreren in Dolden zusamengefaßt. Der Fruchtknoten hat 2 Narben und 2 Samenanlagen, aus dem 2 längliche, einsamige Spaltfrüchte hervorgehen, die bei der Phytotherapie Verwendung finden.
Ökologische Beschreibung
Als Kulturpflanze hat sich der Fenchel – obwohl ursprünglich Südländer – in unseren Gärten gut integriert. Er mag dort lichtreiche Standorte mit frischen, nährstoffreichen, neutralen Böden und macht als Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze dem Gartenfreund und Pflanzenliebhaber nicht die geringsten Schwierigkeiten, zumal die Fülle der Wirkstoffe dem eigenen Wohlergehen der Pflanze nützen, indem sie Viren, Bakterien, Pilze und Fraßfeinde abwehren.
Wirkstoffe und Verwendung in Naturheilkunde und Phytotherapie
In den Früchten des Arznei-Fenchels sind enthalten als Wirkstoffe: Anethol, Fenchon, Anisaldehyd, Anisketon, Estragol, Camphen, Limonen, Anissäure, Foeniculin, Flavonoide, Cumarine u. fettes Öl. Besondere Verwendung finden Fenchel-Präparate in der Kinderheilkunde einmal wegen ihrer schleimlösenden, auswurffördernden und keimhemmenden Wirkung bei Atemwegserkrankungen. Zum anderen bekommen Kleinkinder Fencheltee bei Beschwerden in Magen und Darm, um schmerzhafte Blähungen und Koliken zu beseitigen. Beide Effekte können aber auch erfolgreich zur Behandlung von Erwachsenen eingesetzt werden. Fencheltee hat aber auch für stillende Mütter Bedeutung, indem er die Sekretion der Milchdrüsen fördert. Äußere Anwendungen von Fenchel sind Gurgelmittel und Augenwässer sowie Einreibemittel bei Rheuma.
Sammeln , Trocknen, Darreichen
Die reifen Früchte des Arznei-Fenchels werden ab August gesammelt, getrocknet und entweder gemahlen oder ungemahlen als Tee oder Extrakte in Form von Tropfen, Ölen, Kapseln, Dragees, Tabletten, Bonbons oder Salben zur Anwendung gebracht.
Teebereitung zur inneren Anwendung: 1 TL frischgemahlene Fenchelfrüchte werden mit ¼ L. heißem Wasser überbrüht, 10 Min. ziehen lassen, abgeseiht und 1-3 Tassen täglich getrunken Bei Kleinkindern genügt oft eine Tasse Fencheltee, augenwarm im Fläschchen, um Koliken und Blähungen zu beheben.
Warnungen und Bedenken
Niedrig dosierte Fenchel-Präparate des Handels sind bei vorgeschriebenem und beachtetem Gebrauch ungefährlich, es sei denn, sie lösen allergische Reaktionen aus und sind dann abzusetzen. Hochdosierte Präparate wie Fenchelöl können aufgrund ihres hohen Gehaltes an den Zellgiften Anethol und Estragol Magenreizung, Kopfschmerzen, Benommenheit, Atemnot und Erregungszustände auslösen. Deshalb soll Fenchelöl bei Säuglingen und Kleinkindern nie angewendet werden. Das Gleiche gilt für Schwangere und stillende Mütter.- Dagegen soll Fencheltee bei Frauen den Geburtsvorgang erleichtern und ihre darauffolgenden Perioden wieder fördern und vermehren.
Beispiele für Fenchel-Präparate im Handel
- Fenchel Honig N von ALTA PHARMA,Dirk Rossmann GmbH, 30938 Burgwedel
