Echte Pfefferminze (Mentha piperita)

Echte Pfefferminze (Mentha piperita)

Geschrieben am 22. Jan, 2010 von admin in Allgemein

Lippenblütler (Lamiaceae)

Wer kennt nicht Pfefferminztee als Großmutters universales Heilmittel gegen alle erdenkbaren Beschwerden: Bei Leibschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Blasenschwäche, Brechreiz, Gicht und Rheuma, Herz- und Kreislauf-, Leber- und Galle-Beschwerden sollte er helfen. Daß dabei auch Placebo-Effekte die Selbstheilungskräfte bestärkten, ist bei erfolgreicher Heilung nicht ganz auszuschließen. Aber auch wir Heutigen schätzen warmen Pfefferminztee als belebendes und stärkendes Elexier im Winter und kühl getrunken als außerordentlich erfrischendes Getränk an heißen Tagen im Sommer. Ebenso sind uns mentholhaltige Lutschbonbons, Zahnpflege-, Bade- und Duschmittel nicht ganz unbekannt. Und das frischgrüne, hocharomatisch-würzige Pfefferminzblatt auf Nachtischbereitungen in Urlaubshotels haben wir schon lange in unsere Gourmetküche übernommen. Fest steht, daß Pfefferminze neben der Kamille die meistgebrauchte Heilpflanze ist.

Botanische Beschreibung

In der Gattung Mentha kreuzen sich die einzelnen Arten wild miteinander und bilden Hybride (=Bastarde), so auch die Pfefferminze (M.piperita = M.aquatica x M. spicata). Dabei büßen sie ihre sexuelle Fortpflanzungsweise über Samen ein und werden steril, breiten sich aber rein vegetativ vehement durch Ausläufer aus. Pfefferminze ist eine mehrjährige, bis 1 m hohe Staude, deren einjährige, aufrechte Stängel sich jedes Jahr erneut aus teils unterirdischen, teils oberirdischen horizontalen Ausläufern regenerieren. Die Stängel sind vierkantig und an den Knoten verdickt, tragen gegenständige, gestielte, eiförmig-längliche, am Rande gekerbte, aromatisch riechende Blätter und aus den Blattachseln entwickeln sich die gegenständigen Verzweigungen des Stängels. Die kleinen, rosa-lila Lippenblüten stehen zu vielen in dicht gedrängten Wirteln, die sich an der Spitze der Triebe zu Scheinähren vereinigen.

  • Blütezeit : Juni bis August
  • Bestäubung durch Fliegen, aber keine Samenbildung

Ökologisch Beschreibung

Pfefferminze als Aroma-, Gewürz- und Heilpflanze ist eine alte Kulturpflanze unserer Gärten, aus denen sie mit Gartenabfällen auf nährstoffreichen Standorten ausgewildert wurde, sich oft dort reich vegetativ vermehrte und andere Pflanzen verdrängte. Im Haus und Garten liebt es die Pflanze lichtreich und warm auf gut durchfeuchteten, schwach sauren und nähr- und stickstoffreichen Böden. Aber wegen ihrer starken Duftwirkung, die das Wachstum anderer Pflanzen hemmt, sollte man sie etwas separat von diesen kultivieren. Dazu braucht man aber Ausläufer der Pfefferminzpflanze.

Wirkstoffe und Verwendung in Naturheilkunde und Phytotherapie

Die Hauptwirkstoffe der Pfefferminze sind ihre ätherischen Öle, die durch Destillation gewonnen werden: Menthol, Menthon, Menthylacetat, Pulegon, Menthofuran, Jasmon, Piperiton, Cineol u.a.Als Nebenwirkstoffe sind in Pfefferminzblättern enthalten: Gerbstoffe und Bitterstoffe, Nicotinsäure und Nicotinsäureamid, Kaffeesäure und Chlorogensäure, Carotine und Flavonglykoside. Es ist vorallem das Menthol, dass bei kälteempfindlichen Nervenenden (Haut und Schleimhaut) ein Kältegefühl und bei wärmeempfindlichen Nervenenden (Gelenke und Abdomen) ein Wärmegefühl hervorruft. Menthol wirkt antiseptisch, desinfizierend, entzündungshemmend und schmerzstillend. Darauf beruht die äußere Anwendung von Pfefferminzöl zu Einreibungen bei örtlichen Schmerzen, Neuralgien, Kopfweh, Migräne und Juckreiz und als Zusatz zu Zahnpflegemitteln. Innerlich wird Pfefferminze als Tee, Tropfen, Pfefferminzgeist, -sirup und -bonbons angewendet. Hierbei kommen auch die Nebenwirkstoffe zum Tragen: Bei Magen- und Darmkoliken, Blähungen, Flatulenzen und Durchfällen. Besonders hervorzuheben ist die Wirkung des Menthols zusammen mit Bitterstoffen bei der Förderung der Gallensekretion. So gesehen, hatte Omas Pfeffermintee schon seine Berechtigung als Heilmittel.

Sammeln, Trocknen, Darreichen

Gesammelt und getrocknet wird die Pfefferminze als ganze Pflanze vor der Blütezeit. Dann strippt man die trockenen Blätter von den Stängeln und unterwirft sie zur Gewinnung von Pfefferminz-Öl der Wasserdampfdestillation o.a. Verfahren. Zur Gewinnung von Tee wird das Blattgut direkt verwendet. Bereitung von Pfefferminztee zur Selbstmedikation: 1-2 TL trockener und zerkleinerter Pfefferminzblätter mit ¼ L heißem Wasser überbrühen, 10 Min ziehen lassen und abseihen und 3x täglich 1 Tasse trinken. So gut Pfefferminztee – gesüßt oder ungesüßt – auch schmeckt, bitte, nicht zum Dauertrinker werden, denn es lauern Gefahren.

Warnungen und Bedenken

Menthol in höheren Dosen lähmt das Zentralnervensystem und Menthon ruft in größeren Gaben durch Leberschädigung schwere Stoffwechselstörungen hervor (Vorsicht bei China- oder Japan-Öl!). Ganz allgemein empfiehlt es sich daher, keine langanhaltenden Dauerbehandlungen mit Pfefferminz-Präparaten durchzuführen, sondern auch einmal eine Pause einzulegen. Schwangere und Kleinkinder können niedrig dosierten Pfefferminztee – natürlich im Maßen – bei Bedarf zu sich nehmen. Stillende Mütter sollten beachten, daß Pfefferminz-Präparate bestimmter Konzentration die Milchsekretion beschränken können.

Beispiele für Pfefferminz-Präparate im Handel

  • tete sept Bronchial aktiv Hustenbonbons von tete sept Pharma GmbH, 60048 Frankfurt
  • China-Öl mit Pfefferminze von Bio-Diät-Berlin GmbH, Berlin

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Eine Antwort an “Echte Pfefferminze (Mentha piperita)”

  1. Ferdinand Hau

    22. Aug, 2010

    Hallo Kerstin,

    mit großem Erstaunen habe ich Deine Warnungen zu langanhaltendem Gebrauch von Menthol gelesen. Ich habe im Anschluss sofort meine Menthol-Nasensalbe, die ich seit vielen Jahren regelmäßig benutze, abgesetzt. Für mich wäre es von sehr großem Wert, Näheres zu den Gefahren längerdauernder Mentholeinnahme in Erfahrung zu bringen. Meine Ärzte wissen darüber leider so gut wie nichts.

    Gruß,
    Ferdinand Hau

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