Gemeiner Efeu (Hedera helix)

Gemeiner Efeu (Hedera helix)

Geschrieben am 22. Jan, 2010 von admin in Allgemein

Efeugewächse (Araliaceae)

Der Gemeine Efeu ist der einzige Vertreter einer Pflanzenfamilie, die in südlicheren Breiten (Tropen) mit über 700 Arten vorkommt, von denen uns Aralie, Schefflera u.a. als Zimmerpflanzen bekannt sind. Der Gemeine Efeu ist nicht „gemein“ im Sinne von hinterhältisch, sondern bei uns all “gemein“ verbreitet als Wildpflanze in Wäldern, Parks, Felsen und Mauerwänden und als Zierpflanze in verschiedenen Blattfarben und -formen. Der Efeu ist auch eine sehr gesuchte Heilpflanze und als solcher verwandt mit Panax quinquefolium, der Ginsengwurzelpflanze, die in China als Universalheilmittel hoch geschätzt wird. So gesehen ist Efeu als Heilpflanze in guter Gesellschaft und so wundert es nicht, daß er in der Volksmedizin nicht nur bei Atemwegserkrankungen sondern auch bei Beschwerden von Leber, Milz, Gallensteinen, Rheuma und Gicht innerlich und bei Geschwüren, Brandwunden und Venenentzündungen äußerlich angewendet wurde. Noch heute finden Efeublatt-Trockenextrakt-Präparate Anwendung bei Atemwegserkrankungen, wirken dort krampf- und schleimlösend. Und in der Kosmetik zeigt Efeu positive Wirkungen bei der Behandlung von Orangenhaut (Cellulite).

Botanische Beschreibung

Efeu ist eine ausdauernde, kletternde, immergrüne Holzpflanze (Liane),die an Bäumen, Mauern, Hauswänden mit Haftwurzeln sich anklammert und mehrere 100 Jahre alt werden kann. Solange sie keine Kletterhilfe findet, ist sie ein dichter Bodendecker mit langgestielten, rautenförmigen 3-5lappigen, derben Blättern. Klettert sie an Baumstämmen u.a. hoch und erlangt Blühreife, dann ändert sich die Blattform und die Blätter werden ungelappt spitz-eiförmig (Heterophyllie). Die Pflanze bildet im Spätherbst unscheinbare grün-gelbe, 5-zählige Blüten mit 5-fächrigem Fruchtknoten aus, die am Ende von Seitenzweigen langgestielt in kugeligen Dolden stehen. Aus diesen Blütendolden gehen im nächsten Frühjahr Fruchtdolden mit blau-schwarzen Früchten hervor.

Ökologische Beschreibung

Daß Efeu als Bodendecker, Wurzelkletterer mit Verschiedenblättrigkeit, Herbstblüher und Frühjahrsfruchter eine vielfältige ökologische Ausnahmeform darstellt , haben wir schon gesehen. Auch sein Lichtbedürfnis ist unterschiedlich: Am Boden Schattenpflanze, am Baum Halblichtpflanze. Er mag frische Böden und mäßig warme Standorte, ansonsten ist er recht anspruchslos.

  • Blütezeit : September bis Dezember
  • Bestäubung durch Fliegen und Bienen
  • Fruchtreife: März bis April
  • Fruchtverbreitung durch Vögel

Verwendung in Naturheilkunde und Phytotherapie

Die Heilwirksamkeit von Efeu beruht auf dem hohen Gehalt von Saponinen (Hederin),Flavonoiden, Kaffeesäure-Abkömmlingen und ätherischen Ölen. Der hohe Gehalt dieser Stoffe bewirkt aber auch die Giftigkeit von Blättern und Früchten. Es kommt also auf die Dosierung an und hier gilt die Devise: Weniger ist mehr ! Es sind vorallem die Saponine, die bei hoher Dosierung schädlich wirken, indem sie als Zellgift u.a. die roten Blutkörperchen zerstören. Bei sehr geringerer Dosierung rufen sie dagegen Heilwirkungen hervor und können therapeutisch genutzt werden.

  • als Hustenmittel (Expectorantia), indem sie nicht nur die Abscheidung und Verflüssigung des Schleimes bewirken (ähnlich wie Präparate von Veilchen, Kreuzblumen, Schlüsselblumen, Seifenkraut u.a.), sondern auch reizmindernd wirken.
  • als resorbtionsförderndes Mittel (Resorbentia) bei anderen Arzneimitteln,
  • als schleimhautreizendes und damit mundreinigendes Mittel als Zusatz von Mundwässern und Zahnpasten,
  • als schmerzstillendes Mittel bei vielerlei Schmerzzuständen.

Sammeln, Trocknen, Darreichen

Frische und gesunde Efeublätter werden von August bis September gesammelt und schattig an frischer Luft getrocknet. Zur Selbstmedikation (Vorsicht !) nehme man 1 einziges frisches oder getrocknetes Efeublatt, extrahiere es 1 Woche lang in 1 L Weißwein oder überbrühe es mit 1 L kochendem Wasser, lasse 10 Min. ziehen, filtriere und süße den bitteren Saft z.B. mit Honig und trinke 1 Tasse pro Tag. Käufliche Efeublatt-Präparate werden ebenfalls durch wässrig-alkoholische Trockenextraktion gewonnen und zu Dragees, Tabletten, Säften u.a. mit bestimmtem Wirkstoffgehalt verarbeitet und mit entsprechenden Dosierungsanweisen versehen.

Spezielle Anwendungen

In der Kosmetik werden Cremes zur Behandlung von Orangenhaut (Cellulite) mit Efeu-Trockenextrakten bestimmter Dosierung versetzt.

Kontraindikationen

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Behandlung mit Efeu-Präparaten unterlassen werden. Selbstmedikation mit Efeu sollte wegen der Giftigkeit der Pflanze mit äußerster Behutsamkeit durchgeführt werden. Selbst dann können Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Kopfweh, Erbrechen, Durchfall und Krämpfe auftreten. Wie bei jeder Pflanze können bei entsprechender Veranlagung Allergien auftreten. Es genügen aber auch schon feinste Trockenstäube von Efeumaterial, die schleimhautreizend zum Niesen und Husten führen, ohne eine allergische Reaktion zu sein.

Beispiele für Efeu-Präparate aus der Apotheke

  • Prospan R Hustenliquid von Engelhard Arzneimittel GmbH, Niederdorfelden
  • Hedelix Hustensaft R von Krewel Meuselbach GmbH, Eitorf
  • Bronchoforton Saft R von Winthrop Arzneimittel GmbH, Fürstenfeldbruck
  • Sedotussin Efeusaft R UCB GmbH, Monheim

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