Mariendistel (Silybum marianum L.)

Mariendistel (Silybum marianum L.)

Geschrieben am 22. Jan, 2010 von admin in Allgemein

Korbblütler (Asteraceae)

Bei Nennung des Namens Mariendistel leuchten die Augen von Apothekern und Schulmedizinern. Denn die pulverisierten Früchte sind ein vorzügliches Heilmittel gegen viele Leberschäden. Und selbst in früheren Zeiten der Kräutermedizin galten Zubereitungen aus Blätter, Stängel und Wurzel der Pflanze als Heilmittel gegen vielerlei anderer Beschwerden und Leiden.

Botanische Beschreibung

Die Mariendistel, die aus dem Mittelmeerraum zu uns kam und bei uns angepflanzt wird und verwildert, ist eine zweijährige, sehr stattlich Staude bis 1,80 Meter Wuchshöhe im 2. Jahr. Im 1. Jahr bildet sie meist nur eine basale Blattrosette aus weiß-grün marmoriert-panaschierten, buchtig gelappten, mit gelben Stacheln randlich besetzten, großen Blättern. Daraus treibt im 2. Jahr ein ebenfalls mit stacheligen Blättern besetzter, verzweigter, sehr hoher Stängel, an dessen Enden die artischoken-artigen, großen, ebenfalls bestachelten rot-violetten Blütenköpfe von 3-5 cm Durchmesser stehen. Die Mariendistel ist nicht nur eine Heilpflanze, sondern auch ein wunderbare Zierpflanze: Als sehr wehrhafte Königin der Disteln könnte sie das „Wappentier starker Frauen“ sein. Man muß schon sehr vorsichtig sein, wenn man im Herbst durch Dreschen, Klopfen oder Puhlen die weizenkorngroßen, schwarz-braun-gelb marmorierten Früchte (Achänen) der Mariendistel aus den Fruchtständen gewinnen will.

Ökologische Beschreibung

Als Mittelmeerpflanze finden wir Mariendisteln in der freien Natur an warmen, sonnigen, trockenen Standorten, wie Schuttplätzen, Ödland, Äckern und Wegrändern. Seit dem Mittelalter wird die Pflanze in Mitteleuropa zu Heilzwecken kultiviert und gedeiht auf nährstoffreichen Standorten prächtig.- Die Pflanze blüht im 2. Jahr zwischen Juni und September und wird durch Bienen und Hummeln bestäubt. Die Ernte zur Gewinnung der Früchte aus den 3-5 cm messenden Fruchtständen erfolgt im Herbst. Die natürliche Verbreitung der Früchte erfolgt durch Vögel bzw. Selbstverbreitung.

Verwendung in Naturheilkunde und Phytotherapie

Schon der griechische Arzt des Altertums, Dioskurides, erwähnte die Mariendistel als Heilpflanze. Die Klostermedizin kannte sie als solche und Paracelsus empfahl sie gemäß der Signaturenlehre gegen Seitenstechen. Aber erst im 18.Jahrhundert wurde sie als Leberheilmittel erkannt. Es ist vorallem das Silymarin und Silibinin, ein Gemisch aus Flavonolignanen, das aus der Fruchtschale gewonnen wird. Dieses Silymarin schützt die Leberzellen vor Zellgiften, wie Alkohol, Medikamenten, Chlorkohlenwasserstoffen und selbst den Pilzgiften des Knollenblätterpilzes. Silymarin regeneriert die Leber und wirkt unterstützend bei der Heilung von Leberentzündungen, Leberzirrhosen, Fettleber u.a. Lebererkrankungen. Es schützt vor freien Radikalen, verhindert ihre Bildung und wird auch bei Verdauungs- und Gallenbeschwerden eingesetzt.

Sammeln und Darreichen

Die Früchte der Mariendistel werden im Herbst durch Dreschen, Klopfen, Puhlen aus den Fruchtständen gewonnen und gemahlen. Da Silymarin nur schwer wasserlöslich ist, sind Teezubereitungen nicht sehr sinnvoll. Wohl kann man 1 TL gemahlener Mariendistelfrüchte pro Tasse mit warmen Wasser suspendieren und 2-3 Tassen pro Tag behandelnd oder vorbeugend trinken, aber das Fruchtmehl darf dabei nicht als Bodensatz in der Tasse zurückbleiben, sondern muß mitgetrunken werden. Die im Handel befindlichen Mariendistel-Präparate werden als Trockenextrakte u.a. mit Essigsäureäthylester gewonnen und als Kapseln, Dragees, Tropfen u.a. angeboten.

Spezielle Anwendungen

In der Intensivmedizin werden Silymarinpräparate in sehr hohen Dosen bei Knollenblätterpilzvergiftungen zur Lebensrettung eingesetzt.

Kontraindikation

Generell sind Mariendistel-Präparate ungiftig, da sie keine Alkaloide u.a. Gifte enthalten. Bei Schwangerschaft und Stillzeit sollte man sich – wie bei jeder nicht notwendigen Medikation in der Verabreichung von Silymarin zurückhaltend zeigen.

Beispiele für Mariendistel-Präparaten aus Apotheken

  • Legalon R forte, Trockenextrakte von Madaus GmbH, Köln
  • Silicur R Hartkapseln 243-286 mg Tr.Extr. von Hexal AG, Holzkirchen
  • St.Bernhard Mariendistel Kapseln 200 mg Tr.Extr. von Makiola Nahrung, Dipl.Biol.Paul Makiola, Bocholt-Barlo
  • Heparform zur Leberentgiftung, Tabletten Biofitt AG, St.Vincent

Tags: , , , , , , , ,

Antworten