Zitronen-Melisse (Melissa officinalis)
Geschrieben am 22. Jan, 2010 von admin in Allgemein
Lippenblütler (Lamiaceae)
Seit der Antike über Karl den Großen („de capitulare villis“), die Klostermedizin (Hildegard von Bingen), die Kräuterbücher des Mittelalters (z.B. Leonhard Fuchs) bis zum heutigen Tag verbinden wir mit dem Namen Melisse (Karthäusergeist, Melissengeist) große Heilwirkungen: Von Magen- und Darmkoliken, Herz- und Frauenbeschwerden, Schlaf- und Nervenstörungen, Zahn- und Ohrenschmerzen, Wunden und Quetschungen bis zu Migräne und Melancholie, Hysterie und Hypochondrie soll die Wirkung der Heilpflanze gelten, die sich in über 16 verschiedene Namen der gleichen Pflanze widerspiegeln. So wird in der Naturheilkunde Melisse allein oder in Verbindung mit anderen Heilkräutern gegen oben genannten Beschwerden eingesetzt. Der vorrangige Einsatz von Melisse liegt aber heute in ihrer entspannenden, krampflösenden und und beruhigenden Wirkung bei Koliken, Stress und Schlafstörungen.
Botanische Beschreibung
Melisse ist eine ausdauernde, krautige Staude von 30-80 cm Wuchshöhe mit aufrechtem, verzweigten, vierkantigen Stängel, an dem gekreuzt-gegenständige, langgestielte Blätter stehen. Die weiß bis rosafarbenen Blüten stehen in Wirteln in den Achseln der oberen Blätter. Die Pflanze stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum, wird aber seit Karl dem Großen zu medizinischen Zwecken in Gärten angebaut, aus denen sie gelegentlich auswildert.
Ökologische Beschreibung
Die Pflanze ist relativ anspruchslos, mag es aber als Südländerin in Gärten warm und lichtreich auf nährstoffreichen und lockeren Böden, wo sie nicht nur als Gewürz- und Heilpflanze, sondern auch als nektarreiche Trachtpflanze für Bienen angebaut wird.
Blütezeit: Juli bis August.
Verwendung in Naturheilkunde und Phytotherapie
Melisse ist besonders reich an ätherischen Ölen mit Citral, Citronellal, Linalool, Geraniol wie auch an Kaffeesäure, Rosmarinsäure, Flavonoide Gerb- und Bitterstoffe, die allein oder in Kombination miteinander magen- und blähungswirksam, schweißtreibend und beruhigend, krampflösend und schmerzstillend, ja sogar gegen Lippenbläschen virushemmend verwendet werden. Mit Melisse kann man den Magen- und Darmbeschwerden, Unruhezuständen und Schlafstörungen, Wunden und Geschwüren u.v.a.m. heilwirkend begegnen.
Sammeln, Trocknen, Darreichen
Gesammelt und getrocknet werden die nach Zitrone duftenden Blätter vor der Blütezeit, also im Mai/Juni. Wichtig zu wissen: Nach einem Jahr verflüchtigen sich die viele der Wirkungen des Trockengutes.Zur innerlichen Anwendung kommen Tees in Frage: 1 TL trocknes Blattmaterial mit ¼ Liter Wasser übergießen, 10 Min ziehen lassen, filtrieren und 2 Tassen pro Tag trinken. Zur äußerlichen Anwendung werden aus Melissenblättern wässrig-alkoholische Auszüge hergestellt und diese entweder direkt als Melissengeist angewendet oder als Trockenextrakte in Salben, Cremes oder Gels eingearbeitet. Aber auch frische, gereinigte und zerriebene Blätter können äußerlich auf Geschwüre und Wunden zur Heilung aufgetragen werden. Außer Tees, Salben, Cremes, Gels sind durch spezielle Destillation gewonnene Melissen-Präparate wie Melissengeist, Melissenöl, Tropfen, Tabletten und Kapseln im Handel, die bei entsprechenden Beschwerden in angemessener Dosierung angewendet werden.
Spezielle Anwendungen
Gegen Lippenbläschen nach Herpes-Infektion haben sich spezielle Melissencremes bewährt.
Kontraindikationen
Nicht angewendet werden sollen Melisse-Präparate während der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Schilddrüsenerkrankungen und befürchteten allergischen Reaktionen.
Beispiele für Melissen-Präparate aus Apotheken
- dysto-loges N R, Tabletten von Dr. Loges & Co GmbH, Winsen
- Klosterfrau Melissengeist von Klosterfrau Healthcare Group, Köln
- Sedariston R, Tropfen von Steiner Arzneimittel GmbH, Berlin
- Mobilend Franzbranntwein Klosterfrau Healthcare Group, Köln
